Ein Ausflug nach Söflingen

Ein Ausflug nach Söflingen

Akt I - Einstimmen.

Ein Sommerabend in Ulm muss nicht in der Innenstadt beginnen. Wer es ruhiger, stilvoller und atmosphärischer mag, startet in Söflingen. Der westliche Stadtteil hat sich einen eigenen Takt bewahrt – mit Kopfsteinpflaster, der sanft fließenden Blau und Fachwerkhäusern, die Geschichten erzählen. Ein Ort, der entschleunigt, bevor der Abend kulinarisch beginnt.

Im Schatten des ehemaligen Klarissenklosters entfaltet sich eine besondere Stimmung: Das Wasserrad dreht sich gemächlich im Klosterhof, der Duft alter Linden liegt in der Luft, und zwischen den historischen Mauern breitet sich eine wohltuende Stille aus. Wer vor dem Besuch im Löwen noch einen kleinen Spaziergang macht, entdeckt versteckte Innenhöfe, den Meinloh-Brunnen oder die spätgotische Leonhardskapelle – alles nur wenige Schritte entfernt.

Söflingen empfängt seine Besucher nicht mit Inszenierung, sondern mit leiser Selbstverständlichkeit. Und genau das macht diesen Ort zum idealen Auftakt für einen Abend, der mehr will als nur satt machen. Wer dem Verlauf der Blau durch den Klosterhof folgt, steht nach wenigen Schritten vor dem Löwen – eingebettet in die historische Randbebauung des ehemaligen Klarissenklosters. Außen denkmalgeschützt, innen gastlich modern: ein Ziel, das sich wie selbstverständlich aus dem Spaziergang ergibt.

 

Akt II - Genießen.

Was früher ein Biergarten war, ist heute ein Ort für Feinschmecker: Der "Löwen", direkt im Klosterhof gelegen, verbindet Geschichte und Gegenwart auf subtile Weise. Außen historisch denkmalgeschützt, innen zeitgemäß und elegant – mit einer Küche, die schwäbische Klassiker nicht neu erfinden will, sondern sie neu fühlt.

Chefkoch David Probst serviert Gerichte, die vertraut wirken und doch überraschend sind. Der Rinderrostbraten mit zweierlei Zwiebeln und hausgemachten Spätzle etwa ist eine Hommage an die Region – zubereitet mit Kalbsjus, roten Röstzwiebeln der Sorte „Rossa di Tropea“ und serviert mit der Präzision eines Fine-Dining-Küchenchefs. Das Original Wiener Schnitzel kommt klassisch, aber mit handwerklichem Anspruch – dünn, goldgelb, knusprig, begleitet von Kartoffel-Gurken-Salat und Preiselbeeren. Wer es feiner mag, wählt Tagliolini mit Trüffeln der Saison und Parmesan oder das Berkel-Brett mit hauchdünn geschnittenem Pelatello-Schinken von der originalen Aufschnittmaschine.

Noch mehr Tiefe bietet das saisonale Menü, das in bis zu sieben Gängen serviert wird – wahlweise klassisch oder vegetarisch. Forelle mit Ceasar-Dressing und Parmesan, Kalbstafelspitz mit Spitzkohl und Rahm oder Topfen mit Holunder und Pfirsich zeigen, wie bodenständige Zutaten mit Leichtigkeit in die nächste kulinarische Liga gehoben werden können. Viele Produkte stammen vom Ulmer Wochenmarkt, das Fleisch wird teilweise selbst gereift, und selbst beim Käse zeigt sich, wie viel Sorgfalt im Detail steckt.

Auch die Atmosphäre trägt: Die Terrasse im Innenhof ist ruhig, das Interieur zurückhaltend, der Service aufmerksam – und wer den Abend nicht enden lassen will, kann einfach bleiben. Das kleine Boutique-Hotel mit seinen 20 restaurierten Zimmern liegt direkt über dem Restaurant.

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Akt III - Ausklingen.

Wer nach dem Essen noch nicht gleich zurück in den Alltag möchte, der bleibt einfach noch ein wenig – denn Söflingen hat auch für den späten Abend den passenden Ton: leise, warm und gelöst. Nur wenige Schritte vom Löwen entfernt beginnt der alte Ortskern rund um den Söflinger Gemeindeplatz. Hier sitzt man unter freiem Himmel, ein Glas Wein in der Hand, das Kopfsteinpflaster unter den Füßen, und schaut in die weiche Dämmerung eines Sommerabends.

Statt Spektakel zählt hier die Atmosphäre: ein ruhiges Gespräch, ein sommerlicher Riesling oder ein frischer Grauburgunder – serviert in einer der kleinen Weinbars rund um den Gemeindeplatz.

So klingt er aus, der Ausflug nach Söflingen: mit der entspannten Selbstverständlichkeit eines Viertels, das nichts beweisen muss. Und mit der Gewissheit, dass es nicht viel braucht für einen perfekten Sommermoment – außer Zeit, Geschmack und einem Ort, der zu beidem passt.

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